Business Model Ideen für IoT Startups in Ostwestfalen-Lippe

Business Model Ideen für IoT Startups in Ostwestfalen-Lippe

In unregelmäßigen Abständen schauen wir uns Ideen für Geschäftsmodelle an, die sich für die Kernthemen im Startup Ökosystem Ostwestfalen-Lippe ergeben können. Heute werfen wir einen Blick auf lukrative Business Models im Umfeld vom Internet of Things. Gartner geht zum Ende 2017 von 8,4 Milliarden vernetzten Dingen aus. Ein Wachstum vom 31%. Bis 2020 werden 20,4 Milliarden IoT Devices erwartet. Grund genug, darüber nachzudenken, welche Geschäftsfelder sich ergeben.  Der Business Insider IoT Report erwartet 6 Billionen Dollar, die bis 2020 in IoT investiert werden.

Kundenbedarf erkennen und erzeugen

Erfolgreiche IoT-Devices und -Dienste sind die wirklich smarten, mitlernenden Produkte mit denen wir Probleme lösen. Meine Philips Hue Lampen sind beispielsweise ein nettes Gadget aber von Haus aus weit davon entfernt, smart zu sein. Die smarten Lösungen habe ich erst durch Dritt-Apps und Plattformen selbst geschaffen, mit denen ich durch automatisiertes ein- und ausschalten des Lichts Energie sparen kann. Oder eine etwas exotischere Anwendung: Das Licht ab Sonnenuntergang automatisch dimme und mit mehr Rot-Anteil versehe, so dass sich das Licht an den menschlichen Bio-Rhythmus anpasst.

Probleme zu erkennen, geschickt lösen und daraus ein Geschäftsmodell mit entsprechenden Preisen entwickeln sind die Eckpfeiler für erfolgreiche Startups. Schauen wir uns einige Ansatzpunkte an:

Sprachgestützte Systeme, Voice-Assistants und Chatbots

Mercury.ai aus Bielefeld haben mit dem Chatbot KIM für Maggi einen Koch-Assistenten gebaut, der Kunden bei der Auswahl und Zubereitung von Rezepten unterstützt. Der nächste Schritt liegt nun in der Verlagerung von Text-Konversationen auf gesprochene Sprache. Insbesondere da, wo Kunden Augen und Hände im Einsatz haben, Kopf und Ohren aber weitestgehend unbenutzt bleiben, ergeben sich spannende Business-Cases. Die Küche ist ein Beispiel. Hausarbeit ein anderes. Beide Branchen sind in Ostwestfalen mit Küchenherstellern, Zulieferern, Miele und Dr.Oetker massiv vertreten.

Aber auch die Zeit für Arbeit an Fließbändern oder beim Autofahren können durch Voice-Assistants sinnvoll genutzt werden. Wer als Pendler regelmäßig 1-2 Stunden im Stau gestanden hat, der weiß Audio-Angebote wie Audible oder das ostwestfälische Narando zu schätzen. Next Level wäre hier der Schritt vom reinen Audio-Content zu smarten Interaktionen per Stimme – für persönliche und betriebliche Weiterbildung beispielsweise.

Smart Home

Intelligent vernetzte Geräte im Zuhause reichen von der Einbindung der gerade angesprochenen Voice-Assitants, über Jalousien, die bei starker Sonneneinstrahlung geschlossen und bei Feueralarm geöffnet werden bis hin zu vernetzten Solaranlagen und zu mitdenkenden Wohnungen wie dem KogniHome, das das Bielefelder CITEC nach über 3 Jahren Forschungsarbeit gerade fertig gestellt hat. Selbst von den Altenpflege-Diensten des KogniHome, die eher ein B2B-Feld sind, lassen sich viele Convenience-Produkte für den B2C-Bereich ableiten: Denken wir nur einmal an automatisch öffnende Haustüren für Lieferanten, die Produkte so in einer smarten Schleuse abstellen können: Als Voraussetzung für on Demand Lieferungen von frischen Lebensmitteln oder fertigen Menus.

Smart City und Country

Was im Privaten anfängt setzt sich im Öffentlichen fort: Ähnlich wie sich gelernte Mechanismen aus privat genutztem E-Commerce und Social Media Kommunikation mittlerweile in der geschäftlichen Nutzung durchsetzen, werden zu Hause verwendete Technologien auch im städtischen und kommunalen Raum gewünscht werden: Smarte Straßenbeleuchtung, die Energie und Kosten spart und dabei zusätzliche Sicherheit bietet und als Ladesäule für Elektromobilität dient, automatisierter und optimierter ÖPNV, automatisierte Parksysteme, smarte Mülleimer und Müllsammler. Interessant wird es hier, wenn smarte IoT-Devices mit Nudging und Gamification verbunden und so der Mensch stärker in die Vorteile der Technologie einbezogen wird.

Artificial Intelligence

AI entwickelt sich zum Kitt, der die IoT-Geräte zusammen hält und sinnvoll verbindet. Da wo menschliche Vorstellungskraft, Arbeitsleistung oder Bezahlbarkeit endet, kommt KI zum Einsatz. Datenanalyse von vernetzten Geräten unterschiedlicher Bereiche ist so ein Beispiel: Wo verbergen sich Einspar- und Optimierungs-Potenziale? Alleine im Verbesserung-Potenzial von Energie- und Kommunikations-Netzwerken stecken Milliarden.

Big Data

Zur Auswertung der noch unvorstellbar großen Datenmengen werden wir also um AI-Lösungen kaum herum kommen. Aber auch generierte Datensätze an sich sind schon lukrative Geschäftsfelder: So bietet Roomba derzeit die kollektiv von ihren Staubsaugern erfassten Kartendaten von Wohnungen zum Kauf an. Was das nutzt? Beispielsweise kann ein Möbelhersteller wie IKEA so auswerten für welche Märkte sich eine Sonderbreite des Billy-Regal lohnen könnte. Aber auch im Marketing-Umfeld können Einblicke in Wohnungen und ihren Aufbau nützen: So ist es in vielen Ländern Südamerikas völlig unüblich Fernseher ins Wohnzimmer zu stellen. Die Geräte kommen ins Schlafzimmer. Wer nun Produkte, die irgendwie mit der Glotze zusammen hängen dort anbieten möchte, kann viel präziser und zielgruppen gerechter Marketing betreiben.

Security für Internet of Things

Zugegeben: Für Sicherheit wollen die wenigsten Menschen freiwillig Geld ausgegeben. B2C Geschäft wird eher in den Bereichen Convenience, Design und Innovation gemacht. Aber exzellente Sicherheitslösungen, die Herstellern von IoT-Devices angeboten werden können, sind trotzdem lohnenswert. Chinesische Webcams, die für DDoS-Attacken benutzt werden oder Suchmaschinen, die Webcam-Motive auswerten und so schlafende Kinder oder Marihuana-Plantagen auffindbar machen, sind erst der Anfang der Sicherheitslücken, die gestopft werden müssen. Bei Ars Technica sieht man eine Hauptursache in immer günstigeren Devices, die oft gerade mal als MVP durchgehen und der Endkunde als Betatester benutzt wird, der die Differenz der günstigen Herstellungskosten mit fehlender Sicherheit zahlt.

Hier steckt das größte Business Potenzial zunächst mal in industrieller Sicherheit und aus den dort gewonnenen Erkenntnissen lassen sich Produkte für die Endkunden-Segmente ableiten.

Digitale Gesundheit und vernetzte Medizin

Technologie, die uns gesünder macht und bei der Heilung von Krankheiten hilft, fast nahezu alle bisher angesprochenen Technologien zusammen. Sicherheit, Vertrauen, Datenauswertung, Interpretation, Effizienz und und und. Fachärzte sind heute bereits bis an den Anschlag überlaufen. Hier können IoT-Devices, die Patienten überwachen und Alarm schlagen, wenn festgelegte Grenzwerte erreicht werden viel quantitative Arbeit einsparen. Voice-Assistants, die mit Patienten sprechen, regelmäßig Symptome und deren Ausprägung abfragen erfassen qualitative Daten zu Erkrankungen. Neben der Lebensqualität steigt auch die Behandlungsqualität der Ärzte.

Doch auch im organisatorischen Bereich der Medizin-Dienstleister lässt sich viel Potenzial ausmachen. Wie Kostenersparnis und Optimierung von Praxisabläufen, die der aktuelle Sieger des Founders Pitchday Underdoc entwickelt.

Intelligente Systeme für den optimalen Einsatz von Krankenhaus-Personal, Bettenbelegung oder auch Patientenbefragung über Apps, die der Patient direkt auf seinem Smartphone oder Tablet ausfüllt und so die Visite der Ärzte beschleunigt eröffnen auf einem höheren Level Möglichkeiten für Medical IoT-Startups.

Und dann sind da noch die medizinischen Geräte, die regelmäßig geprüft und gewartet werden müssen. Derzeit läuft das ab wie beim Auto-TÜV nach festen Intervallen. Die Vorgehensweise ist funktioniert. Ist aber wenig effizient. Smarte Bauteile, die ihren Verbrauchsstand selbstständig kommunizieren können, wären hier ein echter Fortschritt. Nicht umsonst war die Challenge von BOGE beim Foundershack eine smarte Möglichkeit zur Überwachung von Filtermatten in den Kompressoren zu entwickeln.

Womit wir an dieser Stelle den Bogen von Medizintechnik zum deutlich weiteren Feld der Industrietechnik geschlagen haben. Von der Landwirtschaft wie bei Claas Mähdreschern in Harswewinkel ganz abgesehen.

IoT Devices auf Plattformen zusammen bringen

Ein Geschäftsmodell, das einem immer wieder im IoT-Bereich begegnet sind Plattformen, über die viele der oben beschrieben Funktionen zusammen geführt und über smarte APIs verbunden werden können. Plattformen lassen sich relativ kostengünstig entwickeln und schnell auf sich ändernden Kundenbedarf anpassen. So können Plattformen genutzt werden, um IoT-Geräte mit Mehrwert für Kunden zu verbinden, daraus entstehen neue Daten, die zu neuen Erkenntnissen und neuen Diensten und Produkten führen können.

Aber jetzt seid ihr dran: Welche IoT Business-Models seht ihr in Ostwestfalen-Lippe? Diskutiert mit uns auf Facebook oder lasst es uns hier über unser Kontakt-Formular wissen.

Zur Vertiefung empfehle ich diese Zusammenstellung von IoT-Reports bei Forbes.com

Artikelbild: unsplash.com h heyerlein

Lost Password