10 Fragen an Blinkist Co-Founder Niklas Jansen

Blinkist Team in Lissabon

Die Unternehmenskultur bei Blinkist haben wir euch bereits ausführlich vorgestellt. Heute hat Co-Founder Niklas Jansen uns in 10 Fragen noch einmal echte Startup-Nuggets und Gründer-Tipps für euch mitgegeben. Los geht’s:

1.Wie seid Ihr auf Eure Startup-Idee gekommen?

Die Idee ist aus einem eigenen Problem entstanden. Wir haben schon während der Uni darüber nachgedacht, wie man mehr Bücher lesen und die spannenden Ideen und Konzepte daraus anwenden könnte. Einer meiner späteren Mitgründer hat damals immer Zusammenfassungen von Büchern per E-Mail vershickt. Später haben wir dann beobachtet, dass sie das Leseverhalten der Menschen verändert und mehr und mehr auf Smartphones gelesen wird. Daher haben wir uns die Frage gestellt, ob man das Problem und den Trend nicht verbinden kann. Wir haben schnell herausgefunden, dass wir nicht allein mit dem Problem sind und Blinkist entwickelt.

Gründung Blinkist

Blinkist Gründer-Team (2. v.l.: Niklas Jansen)

Und wie hat sich daraus Euer Guiding Star „Inspire people to keep learning“ entwickelt?

Für uns ging es bei Blinkist vom ersten Tag darum ein einfaches Produkt für ‘lifelong learning’ zu bauen. Über die Zeit haben wir gelernt, dass die hauptsächliche Motivation unserer Nutzer effizientes Lernen ist. Viele Nutzer verwenden Blinkist um sich persönlich oder beruflich weiter zu bilden, z.B. in Themen wie produktives Arbeiten oder Mitarbeiterführung oder aber auch um über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Themen zu entdecken, wie z.B. Psychologie oder Achtsamkeit.

2.Kannst Du uns erzählen, wie der Gründungsprozess abgelaufen ist? Wie ging es aus der Wohnung in Düsseldorf weiter?

Nachdem sich die Idee für das Produkt entwickelt hatte, haben wir uns für ein Wochenende in meiner alten Wohnung in Düsseldorf getroffen, um die Idee zu schleifen und die Dynamik als Team zu sehen. Sonntags haben wir beschlossen, dass wir es probieren wollen und kurz darauf unsere Jobs und Wohnungen gekündigt. Zwei Monate später waren wir in Berlin und haben Vollzeit angefangen an der Idee zu arbeiten.

Das wirkte damals vielleicht etwas überstürzt und naiv, wir haben aber fest an die Idee und uns geglaubt. Rückblickend betrachtet war es auch der richtige Schritt: wir waren zu 100% auf Blinkist fokussiert und hatten auch keinen doppelten Boden. Wenn man gründen will, macht man es entweder ganz oder lässt es besser gleich bleiben.

3.Wie habt Ihr den Markt für Euer Geschäftsmodell evaluiert und wie hat sich das Business Model über die Zeit verändert?

Wir hatten ja alleine keine Erfahrung mit dem Gründen, daher waren Bücher unser erster Coach. Ein Buch das unsere ersten Schritte stark geprägt hat war ‘The Lean Startup’ von Eric Ries. Das Buch beschreibt verschieden Techniken und Methoden um seine Produktidee und Business Modell frühzeitig zu evaluieren und so schnell wie möglich zu lernen. Wir haben daher von Beginn viel Zeit mit potentiellen Kunden verbracht und Probleme und Bedürfnisse zu verstehen.

Durch Interviews konnten wir den Kern des Problems eingrenzen und so wurde aus einer anfänglich noch recht komplexen Produktidee zum Schluss ein schlankes, fokussiertes Produkt was ein konkretes Problem für viele Leute gelöst hat.
Die Zeit die wir damals in die Validierung unserer Hypothesen gesteckt haben, hat sich ausgezahlt. Das Produkt hat sich über die Jahre im Kern nicht verändert, hat sich aber natürlich weiter entwickelt. Wir haben aber keinen “klassischen Pivot” gemacht, weil wir ein gutes Verständnis von unseren potentiellen Kunden hatten.

Beim Business Model haben wir ebenfalls viel experiment und verschiedene Modelle gegeneinander getestet. Das Abo-Modell ist dabei als Gewinner hervorgegangen.

Ein bisschen war es dann auch eine Bauchentscheidung. Bevor Netflix oder Spotify das Abo-modell für digitale Produkte massenmarktfäfig gemacht hatten, haben wenige Leute (auch sehr intelligente Investoren) an das Modell geglaubt. Wir haben damals daran geglaubt, dass das Abo-Modell für digitale Produkte funktionieren wird und mit der Zeit hat es sich als ein dominantes Modell herauskristallisiert.

Ich glaube daran, dass man die besten Entscheidungen mit einer Mischung aus ‘harten’ Daten und der eigenen Intuition macht. Damit sind wir bisher immer gut gefahren.

4. Habt Ihr einen Acceleator oder Incubator genutzt und wenn ja: Welchen und was waren die Vorteile davon?

Unser Seed-Investor hat ein bisschen wie ein Incubator funktioniert und uns Office Space und Zugang zu Mentoren ermöglicht. Es war aber kein klassisches Incubator-Program.

5:Zu welchem Zeitpunkt und auf welchem Weg habt Ihr Investoren mit ins Boot geholt?

Wir haben recht früh Investoren dazu geholt und eine Seed-Runde mit Hubraum/T-Ventures gemacht. Rückblickend war das vielleicht etwas zu früh. Es hatte sich damals aber so ergeben und ist dann auch alles gut zusammen gekommen.

Wäre ich noch mal in der Situation, würde ich wohl erst einen marktfähigen Prototypen bauen und mit ersten Daten auf Investoren zu gehen.

Ein genereller Rat: man sollte nur Venture Capital aufnehmen, wenn man das Konzept und die damit verknüpften Erwartungen versteht. Investoren erwarten eine Rendite über 7-10 Jahre und dementsprechend entwickelt man auch das Unternehmen und versucht so schnell wie möglich zu wachsen. Nicht jedes Geschäftsmodell gibt das her und nicht jeder Gründer will das.

5. Waren die Eastcoast-Investoren für Euch wegen ihrer Nähe zu den US-Verlagen interessanter als Diensts dem Silicon Valley?

Auf jeden Fall. In meiner Erfahrung sind Investoren in New York auch deutlich offener für Content. Im Silicon Valley geht es doch mehr im Technologien.

6.Von heute aus rückwirkend betrachtet: Welche Schwierigkeit hättet Ihr gerne vorher gewusst und warum?

Ich glaube wir haben damals unterschätzt, wie lange alles dauert und dass es normal ist, dass nicht alles beim ersten mal klappt. Wir waren oftmals echt ungeduldig, wenn etwas nicht aufging wie wir uns das gedacht haben. Aber oft muss man erstmal bestimmte Dinge lernen um darauf aufbauend dann zu einer guten Lösung zu kommen. Das ist ein ganz normaler Prozess und das geht jedem so. Ein erfolgreiches Unternehmen zu bauen ist ein Marathon, kein Sprint… Sorry für die Floskel.

Unternehmenskultur bei Blinkist

Was ich auch unterschätzt habe ist das Thema Unternehmenskultur (hier unser ausführlicher Artikel zu Blinkist Unternehmenskultur). Erstens ist Kultur viel mehr als der Obstkorb, Bier und Kickertisch. Es geht vielmehr darum, wie man zusammenarbeitet, wie man miteinander umgeht, welche Werte man teilt, wie das Klima ist. Kultur beeinflusst maßgeblich wie schnell man vorankommt. Zweitens entwickelt sich Kultur, ob man sich dem bewusst ist oder nicht. Mit jeder Handlung festigt sich die Kultur. Also sollte man sich immer so verhalten, wie man es von jedem im Team auch verlangt.

Wenn sich die Unternehmenskultur einmal etabliert hat, wird es echt schwer diese noch zu verändern (ja, selbst in einem Startup). Daher kann ich nur raten, das Thema von Beginn an bewusst anzugehen und genauso wichtig wie Produktentwicklung und Marketing zu sehen.

7.Welche Technologie steckt hinter Blinkist und wie habt ihr die ausgewählt?

Obwohl Blinkist kein klassisches Tech-Product ist, ist unser Tech Stack heute schon ziemlich umfangreich. Neben den Apps, Backend und Content Management Systems haben wir viel Zeit in den Aufbau von Analytics-Systemen gesteckt, die in allen Bereichen des Unternehmens verwendet werden, vom Tracking in den Apps bis zur Aussteuerung von Kampagnen an Nutzer bis zur Automatisierung von Marketingaktivitäten.

Die Technologien die wir verwenden haben sich über die Jahre verändert oder weiterentwickelt. Ich glaube das ist ganz normal. Wichtig ist, dass man einfach anfängt und Technologie als einen Weg sieht, ein Ziel zu erreichen und nicht als Selbstzweck.

8. 14 Nationalitäten arbeiten bei Blinkist: Wie hilfreich ist diese Diversity?

Es macht das Leben bei Blinkist auf jeden Fall spannender, weil jede Nationalität seine eigenen Rituale und Bräuche mitbringt, so gibt es z.B. im Sommer Brazilian BBQ oder New York Bagels zum Frühstück.

Blinkist Team in Lissabon

Das aktuelle Blinkist Team in Lissabon

Im Ernst, ich glaube fest daran, dass diverse Teams viel besser performen als zu homogene Gruppen. Jeder bringt eigene Erfahrungen und Sichtweisen ein, diese zusammen zu mischen ist oft richtig spannend. Blinkist ist ein internationales Produkt mit Kunden in fast jedem Land auf der Welt. Das muss sich natürlich auch im Team reflektieren.

9.Wenn Du Gründern genau einen Ratschlag geben könntest: Welcher wäre das und warum?

Seid extrem ambitioniert und verfolgt eine große Vision, aber macht eure persönliche Zufriedenheit nicht vom Erreichen eurer Ziele abhängig. Das Leben ist nicht nur Business. Eine gesunde Balance ist wichtig, im besten Fall macht ihr das ja über viele, viele Jahre..

10.Wie sieht die Zukunft von Blinkist aus?

Für uns ist es eine extrem spannende Zeit. Wir wachsen extrem schnell in allen Bereichen, vom monatlichen Umsatz bis zum Team. Dieses Wachstum zu managen ist eine ganz neue Herausforderung und hat eine echt steile Lernkurve. Wir haben ein paar spannende Initiativen gestartet. Ohne schon zu viel zu verraten, es werden ein paar coole Sachen in den kommenden Monaten kommen.

Wichtig ist, dass man selbst mit vielen Ressourcen und Möglichkeiten sich weiter auf die Nutzer fokussiert und sich nicht in Projekten verliert, die zwar toll klingen, aber man Ende kein wirkliches Problem lösen.

Bonusfrage 1: Du bist ja ein echter Ostwestfale aus Paderborn: Wie würdest Du die unterschiedlichen Vorteile der Regionen OWL und Berlin für Startups beschreiben?

Das ist eine echt interessante Frage, dazu habe ich auch länger mit Sebastian von der Founders Foundation gesprochen..

Berlin hat sicher den Vorteil, dass viele talentierte und wahnsinnig gute Leuten aus der ganzen Welt nach Berlin kommen. Viele bewerben sich gezielt auf Stellen in Berlin, weil sie die Stadt so spannend finden. Das macht das Recruiting natürlich einfacher und flexibler. Auf der anderen Seite gibt es natürlich viel Wettkampf zwischen den Firmen in Berlin um die besten Leute.

Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zu Investoren und Partnern wie Google oder Facebook, die alle Büros in Berlin haben. Auf der anderen Seite hat OWL viele mittelständische Unternehmen, die mit Startups zusammenarbeiten wollen. Das ist sicher ein Vorteil für die Region.

Bonusfrage 2: Hast Du noch etwas, das wir als Aufruf an unsere Leser schicken können? Sucht Ihr bsw. Bestimmtes Personal? Oder gibt es neue Features zu verkünden? Irgendwas, wobei unsere Lesern helfen könnten?

Falls noch nicht gemacht, probiert Blinkist einfach mal aus. Und wenn es euch gefällt, empfehlt es einfach jedem den ihr kennt 🙂

Lost Password