5 der größten deutschen Startup-Exits

5 der größten deutschen Startup-Exits

Ein Exit, also der Verkauf eines Startups an ein anderes Unternehmen oder mehrere Investoren, ist das erklärte Ziel vieler Gründer. Immer wieder sorgen Transaktionen in dreistelliger Millionenhöhe für Schlagzeilen. Wir haben fünf besonders spektakuläre Fälle der letzten Jahre aus Deutschland zusammengestellt.

In unserem Glossar haben wir unter dem Stichwort Exit den Verkauf des Berliner Starups 6Wunderkinder an Microsoft als beispielhaft genannt. Im Sommer nicht nur von der Fachpresse gefeiert, hat die Geschichte gerade eine für viele ernüchternde Entwicklung. Die Tage der digitalen To-Do-Liste Wunderlist, um die es bei der Übernahme ging, sind gezählt. Abgelöst wird sie von Microsoft To-Do, an der zumindest Leute aus dem 6Wunderkinder-Team mitgewirkt haben. Mit einem Volumen von vermutlich 200 Millionen US-Dollar war der Deal sowieso längst nicht der größte der deutschen Internetgeschichte. Diese Ehre gebührt einer Firma, die wahrscheinlich nur wenige auf der Rechnung haben.

1. TeamViewer – 830 Millionen Euro

Das 2005 im schwäbischen Göppingen gegründete Unternehmen ist ein typischer Hidden Champion: in seiner Marktnische führend, aber selten bis nie in den Schlagzeilen. TeamViewer ist eine Software für die Fernwartung von Computern und gleichzeitig für Online-Meetings, in denen die Wartungsarbeiten diskutiert werden. Mittlerweile wurde sie nach Eigenangaben auf mehr als einer Milliarde Geräten installiert. Dem englischen Private-Equity-Unternehmen Permira soll das schon im Mai 2014 satte 830 Millionen Euro wert gewesen sein, umgerechnet von 1,1 Milliarden US-Dollar. Wie alle anderen in diesem Beitrag genannten Zahlen sind auch diese mit Vorsicht zu genießen, da sich die betroffenen Parteien meist sehr bedeckt halten. So oder so handelt es sich um ein Milliardengeschäft, und TeamViewer durfte sowohl seinen Namen als auch seinen beschaulichen Standort behalten.

2. 360T – 725 Millionen Euro

360T war schon Fintech, als es den Begriff noch gar nicht gab. Gegründet wurde das Startup im Jahr 2000, als gerade die erste Internetblase platzte. Dementsprechend holprig war der Start. Der Legende nach befand sich das Hauptquartier in einem griechischen Restaurant in Frankfurt zwischen Bierkisten. Zur Zeit der Übernahme durch die Deutsche Börse im Juli 2015 sah das allerdings ganz anders aus. Da zählten 29 der 30 DAX-Unternehmen zu den Kunden von 360T. Sie alle nutzten die Plattform, um darüber ihre Währungsgeschäfte abzuwickeln. Auf der Webseite taucht der neue Eigentümer Deutsche Börse Group neben 360T im Logo auf, das Geschäft ist aber dasselbe geblieben.

3. trivago – 477 Millionen Euro

Das Hotelvergleichsportal trivago wurde 2004 in Düsseldorf gegründet und entwickelte sich schnell zu eine der beliebtesten Webseiten der Reisebranche. Das blieb auch dem amerikanischen Touristik-Riesen Expedia nicht verborgen, und Ende 2012 machte der ein Angebot, das trivago nicht ablehnen konnte: 477 Millionen Euro für 61,6 Prozent der Unternehmensanteile. Hier wechselten also die Mehrheitsverhältnisse, ein kompletter Exit war es aber nicht, die ursprünglichen Gründer blieben weiterhin beteiligt. Eine neben dem Verkauf gängige Exitstrategie ist der Börsengang. Seit 2016 hat trivago auch den hinter sich.

4. Bigpoint – 273 Millionen Euro

2002 erblickte in Hamburg m.wire das Licht der Welt, eine Softwareschmiede für Browserspiele, die sich später den Namen Bigpoint gab. Browserspiele galten damals als großer Zukunftsmarkt, so groß, dass 2011 zwei US-Investoren 350 Millionen Dollar, damals umgerechnet etwas über 270 Millionen Dollar, für eine Mehrheitsbeteiligung auf den Tisch legten. Doch wie das in der Gamesbranche oft der Fall ist, konnte Bigpoint bald danach an alte Erfolge nicht mehr anknüpfen und sich nie bei Spielen für mobile Geräte durchsetzten. Der endgültige Exit verlief dann wenig ruhmreich. Für nur 80 Millionen übernahm im März 2016 Youzu aus China das ganze Unternehmen.

5. runtastic – 220 Millionen Euro

Hier schummeln wir jetzt ein wenig, denn runtastic ist kein deutsches Startup, sondern kommt aus Österreich. Dafür hat der neue Besitzer seine Heimat mittelfränkischen Herzogenaurach und nennt sich adidas.Das überrascht nicht, wenn man weiß, dass runtastic eine Fitness-App ist, die die sportlichen Aktivitäten ihrer Nutzer misst und auswertet. Gründer Florian Gschwandtner hat also einen idealen Käufer gefunden und darf weiter als Geschäftsführer fungieren. Mächtig profitiert hat auch Axel Springer von dem Deal. Das Medienunternehmen hatte 2013 50,1 % von runtastic für rund 11 Millionen Euro übernommen und bekam im August 2015 demnach 110 Millionen von adidas. Das nennt man wohl ein gutes Geschäft.

Bild ganz oben:inueng / 123RF

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