Zu Besuch in der Zukunft – in Bielefeld

Roboter im CITEC der Uni Bielefeld

Vergiss die Enterprise, vergiss Next Generation und Picard: Das echte Holo-Deck steht in Bielefeld.

Eins gleich vorweg: Wenn noch jemand behauptet, man könne nicht in die Zukunft schauen, dann wird er hier beim Team der Founders Foundation demnächst diese Antwort bekommen: „Dann geh mal zu CITEC!“

CITEC (http://www.cit-ec.de/), das ist die Abkürzung fürs Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie an der Uni Bielefeld. Klingt sperrig. Ist einfach nur phantastisch. Und unser Team durfte genau dort jetzt hinter die Türen von einigen Entwicklerlabors schauen. Bereit für eine kleine Tour? Gut, komm mit!

Stell dir vor, dass Roboter mit ihren Fingerspitzen auch fühlen können. Oberflächen erkennen, Gewichte von Gegenständen und deren Zerbrechlichkeit einordnen. Roboter mit feiner Sensorik, die außerdem auch noch auf Sprachbefehle reagieren. Genau so etwas entwickeln dort in Bielefeld die Spezialisten für Neuroinformatik. Interaktion verstehen, intelligente Schnittstellen bilden. Faszinierend: Es funktioniert. Das ist ein Schlüssel zu vielen Anwendungen für die Zukunft.

Nächster Schauplatz: die Ambient Intelligence Group. Hier geht es um Augmented Reality. Willkommen im Holo-Deck. Mit Hilfe von Projektoren und einer speziellen Brille erscheinen mitten im Raum Dinge, die es gar nicht gibt. So echt, dass man sie greifen möchte. Es so unglaublich schräg: Du brauchst keinen Fernseher mehr. Nur noch seine Projektion. Du brauchst nicht mal mehr die Kommode darunter. Die kann der Projektor auch. Und wenn du willst, lässt du noch einen Hai durch dein Wohnzimmer schwimmen… Was ist hier eigentlich noch echt, was Holo?

Ambient Intelligence Group_CITEC_Augemented_Reality

Mit Hilfe von Projektoren und einer speziellen Brille erscheinen mitten im Raum Dinge, die es gar nicht gibt

Was Hightech für hilfsbedürftige Menschen tun kann, konnten wir mit Billie erfahren. Billie ist ein virtueller Assistent, der Menschen dabei hilft, den Alltag zu organisieren. Und er ist viel mehr als nur ein Avatar oder Terminplaner. Billie hilft weiter, wenn Menschen im eigenen Wohnraum den Faden verlieren – zum Beispiel bei Demenzerkrankungen. Und er kann lernen, sich auf die speziellen Eigenheiten seiner Schützlinge einstellen. Dieses Projekt von CITEC entsteht seit 2011 in enger Abstimmung mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und zeigt, was Zukunftstechnologie schon heute kann. Und gibt einen Ausblick darauf, welche Hilfen das Leben von uns allen erleichtern werden. Unter dem Aspekt des demografischen Wandels ebenso wie im Sinne der Inklusion, also der Teilhabe am Leben aller Menschen mit und ohne Behinderung.

CITEC_Billie_virtueller_Assistent_Uni_Bielefeld

Billie hilft weiter, wenn Menschen im eigenen Wohnraum den Faden verlieren – zum Beispiel bei Demenzerkrankungen

Ebenso beeindruckend die Arbeit beim Projekt MEKA. Eine fürsorgliche Wohnung? Ja, die kommt. Genau genommen: Die gibt es schon bei CITEC. Wir lernen, welche Aufgaben Roboter und Sensoren im Haushalt übernehmen können. Sie erkennen und speichern unsere Lebensgewohnheiten und optimieren unseren Lebensraum. Dass ein Roboter Stühle für Gäste aufstellt, gehört da noch zu den leichteren Übungen. Auch dies ist ein bereits funktionierendes Beispiel für selbstbestimmtes Leben im Alter.

Nächster Zwischenstopp – vom Menschen zu Maschine. Nur ein paar Räume weiter bekommt Industrie 4.0 ein Gesicht. Die Forschungsgruppe „Cognitive Systems Engineering“ arbeitet an interaktiven intelligenten Robotersystemen für die Industrie – und dies gemeinsam und in enger Abstimmung mit dem Mittelstand. Hier entstehen Anwendungen, die die Zukunft von Produktion neu definieren. Ein Roboter, der sich durch wenige Handgriffe und Gesten eines Menschen anlernen lässt und dann in die Produktion geht? Hier ist das bereits Realität.

Zum Schluss noch ein Schritt weiter, ins Abstrakte. Ab in die Cloud und in den Bereich Big Data! Die Forschungsgruppe „Kognitorik und Sensorik“ entwickelt ressourceneffiziente mikroelektronische Komponenten für morgen. Auch hier geht es um Industrie 4.0 – und mit was für Ergebnissen: Hardwarebeschleuniger mit Faktor 10 und Energieeffizienz mit Faktor 5. Das sind Hausnummern. Zum Verständnis ein Beispiel: Das in Bielefeld entwickelte System RAPTOR schafft es, in Sekundenbruchteilen 4.000 Kaffeebohnen optisch zu erfassen, Ausschuss zu identifizieren und auszusortieren. Wenn das nicht effizient ist, was dann?

Rapid Prototyping Plattform - RAPTOR - FPGA

Hochskalierbare FPGA-Systeme für Prototyping und HPC. Die Forschungsschwerpunkte der paraXent (Foto © AG Kognitronik und Sensorik – Universität Bielefeld)

Rundgang beendet. Der Tag ist rum. Irgendwie sind wir alle geflasht. Das war definitiv nicht unser letzter Kontakt zu CITEC. Unglaublich, diese Möglichkeiten. Wir bekommen eine Ahnung von dem, was die Startups von morgen bringen könnten.

Fotos © Founders Foundation

Lost Password