Startup Glossar

Exit am Beispiel von 6Wunderkinder

Exit am Beispiel von 6Wunderkinder

Exit bedeutet wörtlich übersetzt Ausgang oder Ausstieg, und genau darum geht es: um den Ausstieg der Investoren und/oder Gründer aus einem Startup. Ein Paradebeispiel dafür ist das Berliner Unternehmen 6Wunderkinder, das im vergangenen Jahr von Microsoft übernommen wurde.

Ziel eines Startup Exits ist es, die Anteile an einem Unternehmen mit größtmöglichem Gewinn zu verkaufen. Solch ein Exit ist in der Regel das von vornherein erklärte Ziel von Anlegern von Wagniskapital, auch Venture Capital (VC) genannt. Diese sind weniger daran interessiert, ein Unternehmen langfristig zu halten und zu gestalten, sondern mehr an an einer renditeträchtigen Investition. Die so erzielten Gewinne können sie dann in das nächste vielversprechende Startup stecken. Eine Alternative zum Anteilsverkauf an wenige oder einen neuen Eigentümer kann ein Börsengang sein.

Nicht alle Gründer sind damit einverstanden, dass ihr Unternehmen vollständig oder in Teilen verkauft wird, sie legen größten Wert darauf, Anteilseigner zu bleiben und die Geschicke weiter bestimmen zu können. Dieser Gründertypus sollte es sich daher genau überlegen, ob er überhaupt VC in Anspruch nehmen möchte. Alle anderen werden idealerweise mit ihren Investoren schon bei Vertragsabschluss eine Exit-Strategie festlegen, etwa, dass ein Exit angestrebt wird bei Erreichen einer bestimmten Bewertung oder Gewinnschwelle.

Christian Reber, Gründer von 6Wunderkinder, im Jahr 2015 (Foto © Wunderlist)

Christian Reber, Gründer von 6Wunderkinder, im Jahr 2015 (Foto © Wunderlist)

Für Gründer bedeutet ein Exit finanzielle und juristische Unabhängigkeit, nicht aber zwangsläufig der totale Abschied von ihrem Startup; sie können dort weiterhin tätig sein. So war es auch – zumindest für ein paar Monate – bei Christian Reber, dem Gründer von 6Wunderkinder, der mit dem Verkauf der digitalen To-Do-Liste Wunderlist an Microsoft für den bisher wohl spektakulärsten Exit der deutschen Startup-Szene sorgte.

Die Erfolgsgeschichte von 6Wunderkinder begann im Jahr 2010, nachdem Reber, zuvor mit einer eigenen Agentur gescheitert, über XING Mitstreiter für sein neues Projekt gesucht und gefunden hatte. Zu seinen ersten Unterstützern gehörte Frank Thelen, ein Urgestein der deutschen Digitalszene und dem breiten Publikum bekannt als Juror in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“.

Es folgten die üblichen Auf und Abs, mit denen so ziemlich alle Gründerteams fertig werden müssen. Pünktlich zu Weihnachten 2012 folgte dann die zweite Phase, Wunderlist 2, mit einem rundum erneuerten Produkt. Ein wesentlicher Faktor für den weiteren Werdegang des Unternehmens war auch die Einstellung eines neuen CTOs, Chad Fowler aus den USA.

Chad Fowler, CTO bei 6Wunderkinder, im Jahr 2013 (Foto © Wunderlist)

Chad Fowler, CTO bei 6Wunderkinder, im Jahr 2013 (Foto © Wunderlist)

Nicht nur diese Personale zeigt, wie international das Berliner Startup inzwischen orientiert war. Nachdem Reber Ende 2011 schon ein schwedisches Investorenteam um den Skype-Mitentwickler Niklas Zennström für sich hatte gewinnen können (und damit 4,2 Millionen US-Dollar), gelang ihm Ende 2013 ein noch größerer Deal: 19 Millionen US-Dollar gab es von der legendären amerikanischen Risikiokapitalfirma Sequoia Capital, die auch in Giganten wie Apple, Google oder YouTube investiert hat.

Nicht nur groß denken, auch groß handeln war also schon lange das Motto bei 6Wunderkinder, dennoch war es ein echter Paukenschlag, als Anfang Juni 2015 die Meldung von dem Verkauf Microsoft die Runde machte. Der Preis lag irgendwo in der Nähe von 200 Millionen US-Dollar. Der Werdegang des Startups lässt vermuten, das ein Exit von Beginn an Teil der Vision war, trotzdem war es keine leichte Entscheidung. Wegbegleiter Frank Thelen zitiert Christian Reber in seinem Blog:

„Frank, mein Herz sagt nein, aber mein Verstand sagt ja.“

Im offiziellen Wunderlist-Blogbeitrag vom 2. Juni 2015 klingt er dann deutlich euphorischer:

„Heute ist ein bedeutsamer Tag für mich und die gesamte Wunderlist-Familie. Ich bin unglaublich aufgeregt Euch mitteilen zu dürfen, dass wir uns Microsoft anschließen…Was wird sich also für Euch ändern? Gar nichts für den Moment. Unser Team in Berlin wird weiterhin an Wunderlist, Wunderlist Pro und Wunderlist for Business arbeiten… Ich werde weiterhin das Team anführen und mich um die Produktstrategie kümmern, weil es das ist, was ich am meisten liebe…“

Ganz so ist es dann nicht gekommen. Mittlerweile hat Reber die Führungsrolle abgegeben und ist als Scout für Microsoft unterwegs. General Manager ist mittlerweile Chad Fowler, der damit zumindest teilweise die Tradition der ursprünglichen Wunderkinder fortführt.

Lost Password